Wenn American Football für Dich ein Sport ist, bei dem zwei Horden Geistesgestörter auf einem Stück Rasen ein mittleres Massaker veranstalten, dann solltest Du zunächst mal die folgenden Zeilen lesen. Alle anderen finden hier weiter Informationen:

  • History - Meine persönliche kleine Footballgeschichte
  • Bone Check - Alles, was schon mal kaputt ging
  • Spielablauf - Einige grundlegende Infos zum Spiel
  • Lexikon- Ein (nicht ganz ernst zu nehmendes) Nachschlagewerk der wichtigsten Begriffe

Eine kurze Einführung

American Football ist weit weniger chaotisch als es für den Unwissenden zunächst aussieht. Tatsächlich gibt es fast nie einen Zeitpunkt im Spiel, in dem nicht jeder einzelne der 22 Spieler auf dem Feld genau weiß was er zu machen hat.

Beim Football geht es in erster Linie darum, einen seltsam geformten Ball so weit wie möglich in einer bestimmten Richtung vorwärts zu bewegen. Entgegen dem eigentlichen Namen des Spiels kann man dies nur durch Werfen und Fangen oder durch Tragen des Balles erreichen. Die Möglichkeit, den Ball mit den Füßen zu bewegen, ist nur in speziellen Situationen erlaubt.
Zu jedem Zeitpunk des Spieles befinden sich neben dem Ball und einer recht hohen Anzahl an Schiedsrichtern jeweils 11 Spieler zweier Mannschaften auf dem Feld. Nennen wir sie einfach Team A und Team B.

Team A versucht nun, den Ball in höchstens 4 Versuchen mit allen verfügbaren Kräften und Möglichkeiten und unter Einsatz ihres Lebens mindestens 10 Yards weit vorwärts (also in Richtung des Gegners) zu bewegen.
Team B versucht dies mit allen verfügbaren Kräften und Möglichkeiten unter Einsatz ihres Lebens zu verhindern.
Gelingt Team A dieses anscheinend hoffnungslose Unterfangen, so bekommen sie 4 weitere Versuche für die nächsten 10 Yard. Und so weiter und sofort...
Sollte Team B dies verhindern können, so wechselt das Angriffsrecht und Team B darf nun sein Glück versuchen.
Da das an sich nicht wirklich spannend und am Ende auch schlecht zu bewerten ist, gibt es natürlich auch zählbare Erfolge zu erringen als da wären:

  • Touchdown (6 Punkte) wenn ein Team es schafft, den Ball mitsamt Spieler bis ans gegnerische Ende des Spielfeldes (die so genannte Endzone) zu bringen
  • Field Goal  (3 Punkte) wenn sie es schaffen, den Ball mit dem Fuß zwischen zwei Pfosten am gegnerischen Spielfeldende zu befördern
  • Two Point Conversion (2 Punkte) wenn das Team es in einem Extraversuch nach einem Touchdown noch mal gelingen sollte, Ball und Spieler in die gegnerische Endzone zu bewegen
  • Safety (2 Punkte) wenn es dem verteidigendem Team gelingt den Gegner mitsamt Ball in dessen Endzone zu Boden zu bringen
  • Extra Point (1 Punkt) wenn das Team es in einem Extraversuch nach einem Touchdown gelingen sollte, den Ball mit dem Fuß zwischen zwei Pfosten am gegnerischen Spielfeldende zu befördern

Da aber wie immer im Leben die schönsten Dinge verboten sind, haben die Macher des Spiels einen ganzen Sack voll Regeln erfunden die befolgt werden müssen. Deswegen (und weil man sich sonst nur gegenseitig im Weg steht) müssen die Spieler des angreifenden Teams schon vor dem Beginn des eigentlichen Spielzuges wissen, was sie jetzt eigentlich vorhaben. Daher ist jedem Spieler vorgegeben, wo er steht, wohin er sich bewegt und was er dabei alles so macht.
Da das dem Gegner (also den Verteidigern) leider nicht vorher bekannt ist, wissen diese meist nur wo sie stehen, auf wen sie aufpassen bzw. wohin sie rennen müssen.

Weil häufige Schläge auf den Kopf nicht zwingend das Denkvermögen und die Übersicht fördern, denken sich die Spieler das alles nicht selbst aus. Dazu haben sie Trainer, die sich aus der eigentlichen Prügelei raushalten und nur ab und an mal ein paar Zahlen brüllen oder seltsame Handbewegungen machen aus denen dann die Spieler auf dem Feld entnehmen, was als nächstes zu tun ist.
Das Ganze ist also so eine Art Schachspiel, bei dem die Trainer die Spieler und die Mannschaften auf dem Feld die Figuren sind. Daher rührt auch der Name Rasenschach.


 

Meine bescheiden Football-Karriere begann beim besten Team, das ich mir vorstellen kann, den Cottbus Crayfish.
Im September 1997 beschlossen einige Kreative aus den Reihen dieses kleinen Football Vereins im Herzen Brandenburgs, zur bevorstehenden Weihnachtsfeier ein Video mit den Highlights der Saison zu präsentieren. Da ich zu dieser Zeit unbeschränkten Zugang zu einem professionellen Videoschnittplatz hatte und zufällig mit einem besagter Kreativer zusammen in einer Studenten WG lebte, war ich plötzlich mit im Boot.
Das Video wurde ein voller Erfolg und ich nun Mitglied im Kreis einiger Macher hinter den Kulissen des Vereins. Da ich gut mit meiner Spiegelreflexkamera umgehen konnte und der Verein dringend Bildmaterial brauchte, wurde ich sowas wie der offizielle Teamfotograf und stand bei Spielen meist mit der Knipse in der Hand am Spielfeldrand.

1998-2002

Im Herbst 1998 wollte ich es dann selbst mal probieren und fing an mit den Krebsen zu trainieren. Was von außen zunächst wie ein Mordsspaß aussah, entpuppte sich schnell als eine verdammt gute Möglichkeit, sein Mittagessen wieder loszuwerden. Nach einem Monat und einer ganzen Reihe von vergeudeten Lebensmitteln war ich dann so fit, dass ich die Trainings durchstand und nach kurzer Zeit hatte auch ich meinen Spaß. Mit meinen damals knappen 70 Kilo verteilt auf 1,77 Meter war ich nicht unbedingt der Musterspieler. Dank meiner flinken Füße und einem guten Auge für den Ball taugte ich aber ganz passabel für einen Cornerback. Die Jungs aus dem Team waren alle genau so verrückt (oder normal) wie ich. Ich schwitzte, blutete, lachte, weinte, trank und feierte mit ihnen.
Nach 4 Jahren mit den Crayfish, nach Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen kam für mich leider die Zeit, Cottbus Lebewohl zu sagen und mein berufliches Glück im Süden des Landes zu suchen. Meine Wahl fiel auf Stuttgart.

2003

In Stuttgart und Umgebung gibt es eine ganze Reihe von American Football Teams. Weil es für mich am nächsten lag, ging ich zunächst zu den Kornwestheim Cougars. Diese Entscheidung stellte sich jedoch schnell als übler Fehlgriff heraus. Es gab Streitereien innerhalb des Vereins, die Spieler kamen nicht mehr zum Training und der Trainer sowie einige der Stammspieler wechselten den Verein. Da ich nur wenige Wochen dabei war, und dieser Kampf nicht meiner war, folgte ich dem Rat einer Freundin und wechselte im Januar 2003 zu den Stuttgart Silver Arrows.
Die Saison 2003 war für die Arrows ein voller Erfolg. Wir wurden Meister und stiegen in die Regionalliga auf. Für mich persönlich war die Saison mit ganzen 2 Tackles und satten 2 abgewehrten Bällen eher eine Katastrophe. Andererseits ist es ein gutes Zeichen, wenn der Quarterback den Ball lieber woanders hinwirft. Zudem war für mich im Sommer die Saison dank eines angeknacksten Halswirbels auch schon vorbei.

2004

Die Saison 2004 begann dann wieder ähnlich wie die 2003 endete. Noch vor Saisonbeginn endete ein Tackle im Training mit einem zusätzlichen Freiheitsgrad im rechten Handgelenk. Ein sauberer und wunderschön verschobener Bruch des rechten Unterarms machte mich zunächst wieder zum passiven Begleiter der Spiele mit der Kamera. Ergebnisse davon sind im Leuchtpult zu bewundern.
Nach 4 Spielen Pause konnte ich dann wenigstens die Rückrunde wieder auf dem Feld stehen und die Arrows bei ihrer bis dato besten Regionalliga Saison unterstützen. Mit 4 Siegen und 4 Niederlagen wurden wir Vizemeister der Regionalliga und standen in den PlayOffs zur 2. Bundesliga. Ein lausiger Touchdown hat dann zum direkten Aufstieg gefehlt. Da der Gegner mangels Finanzen und Spielern den Aufstieg aber ablehnte, sind wir dann doch noch in die 2. Liga gerutscht.

2005

Doch in der zweiten Bundesliga gab es leider nix zu holen. Mit 14 Niederlagen in 14 Spielen, 60:630 Punkten und einigen persönlichen Negativ-Rekorden, wie einer 3:83 Niederlage und zahlreichen Zu-Null-Niederlagen, gingen die Silver Arrows unter. Dafür blieb mir wenigstens das Verletzungspech erhalten. Direkt im ersten Spiel ging es nach 12 Minuten mit einem Muskelfaserriss ab unter die Dusche und ich musste mich 2 Spiele weniger als die anderen verprügeln lassen.

2006

Dank eines arg lädierten Knies fiel die Saison 2006 für mich leider aus, doch die blamable letzte Saison konnte nicht das Ende für mich gewesen sein.

2007

Also ging es 2007 mit frischem Mut und neuem Elan wieder ans Werk. Diesmal lief es für mich und für das Team perfekt. 12 Spiele, 12 Siege, beste Offense der Liga und beste Defense der Liga. Da der Play-Off Gegner seine Teilnahme absagte, stiegen wir ungefordert und ungeschlagen wieder in die 2. Bundesliga auf.

2008

Die Prügel des Jahres 2005 hatte ich noch nicht mal richtig vergessen, da ging es im Jahr 2008 auch schon wieder von vorn los. Während man das Auftaktspiel gegen Königsbrunn noch mehr als deutlich gewinnen konnte, setzte es ab dem zweiten Spiel eine Niederlage nach der anderen. Zwar konnte das Team immer wieder mal Akzente setzen, doch mit weit über 400 Gegenpunkten war wieder mal kein Blumentopf zu gewinnen. Mit 3 Siegen und 11 Niederlagen war dann auch der sportliche Abstieg nicht zu vermeiden.
Doch wie das so ist, es kommt alles anders als man denkt. Durch den freiwilligen Rückzug eines anderen Teams waren die Silver Arrows plötzlich als Nachrücker wieder drin in der GFL2 und der Wahnsinn geht im Jahre 2009 also weiter.

2009

Football ist auch eine Droge, von der man schwer wieder wegkommt. Also wollte ich auch 2009 nochmal dabei sein. Allerdings hat ein sauberer Wadenbeinbruch (man soll als Cornerback halt nicht mit den Jungs von der Line spielen) meine Pläne diesbezüglich zu Nichte gemacht. Der Bruch selbst heilte ewig nicht aus und die Thrombosen, die sich in der Wade bildeten, hätten meine Football Laufbahn fast beendet. Somit blieb mir außer viel Trainieren und Laufen nur noch, das Team an der Sideline zu unterstützen.

2010

Glücklicherweise bin ich aus der Nummer dann noch mal mit nicht so schlimmen Langzeitfolgen rausgekommen und konnte 2010 zu meinem definitiv letzten Jahr als Spieler antreten. Ich wollte meine Laufbahn unbedingt auf dem Feld und nicht an der Sideline beenden. Auch ein Sieg wäre, nach den vermurksten Jahren 2008 und 2009, nochmal ein versöhnlicher Abschluss gewesen.
Leider hatten die Götter des Ledereies wohl andere Pläne. Vom Verletzungspech weitestgehend verschont ging auch diese Saison ohne einen einzigen Sieg zu Ende. Doch immerhin saß ich zum Ende meiner Laufbahn, nach einem hart umkämpften Spiel in verschwitzten, stinkenden Footballsachen und mit etlichen blauen Flecken als kurzlebige Andenken an diese letzte Schlacht auf dem Feld, genoss die letzten Sonnenstrahlen dieses warmen Juli-Tages und blickte einigermaßen zufrieden auf die letzten 10 Jahre zurück.

10 Jahre Football und gute 100 Spiele haben ihre Spuren hinterlassen. Unmengen an Prellungen, Schürfwunden, Zerrungen, Knochenbrüche und andere Verletzungen liegen hinter mir doch jeder Tropfen Schweiß, jede vergossene Träne und jeder Tropfen Blut war es wert und hätte ich die Wahl, würde ich alles nochmal machen.

Tja, wie ging es nun weiter? Zunächst fing ich mal an, dass Wissen und die Erfahrung, die ich über die Jahre gesammelt habe, weiterzugeben. Als Coach unserer Jugendmannschaft liegen nun auch schon der eine oder andere Erfolg hinter mir und die Arbeit mit den Jungs machte mir Spaß.

2011

Wie es dann so kommt, wurde für das Herrenteam 2011 ein Defense Coordinator gebraucht und da kein anderer da war, der den Job machen wollte und das Coaching in der Jugend nicht sooo mies lief, habe ich mich überzeugen lassen und für beide Teams die Position des Defense Coordinator übernommen. Ob es jetzt an mir lag oder doch eher an der Hand voll erfahrener Spieler weiß keiner so genau, jedenfalls haben die Silver Arrows mit immerhin zwei Siegen und einem Unentschieden ihre Talfahrt beendet und sich in der Oberliga wieder gefangen. Meine Feuertaufe als Defense Coordinator habe ich damit so einigermaßen erfolgreich bestanden.
Da der Kader dünn und die Saison hart war, half ich für ein paar Spiele dann auch mal auf dem Feld aus – zur Not auch bei Regen in Sneakers.

2012-2015

2012 hatte sich dann jemand anderes erbarmt und die Position des Defense Coaches übernommen. Ich sollte eigentlich weiter mit der Jugend arbeiten und "nur" als Positionscoach für die Defensive Backs bei den Herren aushelfen. Mangels Jugendpielern war dann aber gar nicht so viel zum Coachen da, weswegen ich die eine oder andere Aufgabe beim Coaching der Herren übernommen habe.

In den folgenden 3 Jahren stand ich als Defense Coordinator der Jugendmannschaft an der Sideline, hatte Erfolge und Niederlagen und jede Menge Spaß
Aber auch für mich hat der Tag nur 24 Stunden. Irgendwann ließ sich Arbeit, Familie und Coaching nicht mehr unter einen Hut bringen. 2015 gab ich dann, schweren Herzens, die Rolle als Defense Coordinator bei der Jugend erstmal komplett auf und konzentrierte mich auf Job und Familie.

2017-2019

2017 sprach mich der Headcoach der Silver Arrows an, ob ich während der Offseason die athletischen Fähigkeiten des Herrenteams ein wenig steigern könnte. Immerhin hatte ich früher schon das Athletikprogramm der Silver Arrows mit ganz passablem Erfolg durchgeführt. Da der Zeitaufwand dafür überschaubar war, stieg ich wieder ein und übernahm nach und nach wieder mehr Coaching Aufgaben. 2019 die Defense Backs und "den Mann im Ohr" am Spieltag und, da für 2020 kein anderer gefunden werden konnte, auch wieder die Rolle des Defense Coordinators bei den Herren.

2020-2021

Für 2020 hatte ich viel vor. Neues Defense System, neues Playbook, neue Philosophie - und dann kam dieses kleine Ding, dass wir in den Geschichtsbüchern als die "Corona-Pandemie" nachlesen können werden. Kein Training, kein Spielbetrieb, endlose Wochen zu Hause rumsitzen. Nachdem dann wenigstens das Athletiktraining wieder angefangen hatte, gab es ein langes hin und her zwischen Vereinen und Verbänden, wie denn nun so eine Saison aussehen könnte, so man überhaupt wieder spielen darf. Mitte des Jahres hat man sich dann endlich geeinigt und für September eine verkürzte Liga mit 6 Mannschaften angesetzt. Leider bröselten im August dann die Teams weg. Am Ende blieben zwei übrig und so wurde die Regionalliga in diesem Jahr zwischen den Silver Arrows und den Crusaders in einem heroischen, legendären Hin- und Rückspiel ausgefochten. Verrückterweise dürfte der Sieger dieser Kuriosität sogar in die 2. Bundesliga aufsteigen, doch nach einer 0:9 Niederlage im Hinspiel reichte ein fulminanter 28:23 Sieg im Rückspiel nicht aus, um den Meistertitel zu holen.
Um dem Team wenigstens ein paar mehr Spiele zu geben, stiegen die Silver Arrows auch noch in den Cyrus Cup ein und so kam man wenigstens auf 2 weitere Spiele, ehe uns Corona auch hier ein vorzeitiges Ende bescherte.

Und auch die nächste Saison wird eine Zitterpartie. 2021 tobt Corona weiter und Trainings- wie auch Spielbetrieb finden zunächst mal nicht statt. Ob es dann im Herbst zur geplanten Football-Saison kommt, werden wir sehen.

2021

Es kam, wie es kommen musste. Des Virus hatte die Welt weiter fest im Griff und ein möglicher Saisonstart schob sich weiter und weiter hinaus. Als dann endlich wieder gespielt werden konnte, war für eine komplette Saison keine Zeit mehr. Also wurde ab August nur die "Rückrunde" in der Regionalliga gespielt. Doch Corona hatte nicht nur viele Menschenleben gefordert, auch eine ganze Reihe Footballspieler fanden Couch und Fernseher weit attraktiver als Pads und Helm. Und so starteten die Silver Arrows mit arg dünnem Kader und nahezu keinen Line-Spielern in ein recht hoffnungsloses Unterfangen. Während die Defense mit 141 Gegenpunkten aus 6 Spielen noch auf Platz 4 von 7 Teams landete, holte die Offense mit satten 45 Punkten die rote Laterne. Ohne Sieg ging es direkt abwärts in die Oberliga.

2022

Die Vorzeichen für 2022 standen nicht besser. Noch immer war der Kader dünn, noch immer fehlte es in der Line und so kämpfte man an jedem Spieltag eher mit der Spielfähigkeit als dem Gegner. Am Ende musste man mit nur 4 Siegen in die Relegation und verlor diese mit einem Touchdown Unterschied. 

2023

Das alljährliche Vereinskarussell drehte sich auch 2023 weiter und durch diverse Auf-/Abstiege und Rückzieher landeten die Arrows wieder in der Oberliga. Doch diesmal war es von Anfang an aussichtslos. Vom Team war kaum noch etwas übrig, über das ganze Jahr hinweg war man nicht einmal in der Lage, in irgendeinem Training ein Scrimmage 11 gegen 11 zu bestreiten. Das Ziel war klar: Irgendwie alle Spiele antreten, um nicht in den Zwangsabstieg in die Aufbauliga zu rutschen. Und so ging es in keinem der 12 Spiele jemals darum, zu gewinnen, sondern mit den teilweise nur 16 spielfähigen Spielern überhaupt 4 Quarter zu überstehen. Irgendwann waren wir so dezimiert, dass selbst ich nochmal Pad und Helm anziehen musste, damit die Defense überhaupt 11 Spieler auf dem Feld hat. 

2024

Landesliga. Ich hatte nie erwartet, mal in einer Bierkastenliga zu landen. Obwohl der Wunsch, diesem Drama ein Ende zu setzen groß war, war die Treue zu den Arrows doch stärker. Ich wollte das Team nicht im freien Fall sich selbst überlassen und so nahm ich auch 2024 nochmal die Aufgabe des Defense Coordinators an, um wenigstens die Landesliga zu halten. Das Personal war nicht zahlreicher geworden - Niederlagen machen ein Team nun mal nicht sonderlich interessant für neue Spieler. Auch 2024 war jeder Spieltag ein Tanz an der Grenze zur Spielfähigkeit. Nach zwei soliden Siegen ging es in ein tiefes Loch, in dem die Offense in 5 Spielen die Endzone des Gegners bestenfalls aus der Ferne betrachtete. Die Stimmung war schlecht, das Team schien sich aufgegeben zu haben. Ob es dann an meinen motivierenden Worten vor einem nahezu aussichtslosen Spiel gegen den Tabellenführer mit seiner schier unüberwindbaren Defense (bis hatten die Red Knights 2 Punkte pro Spiel zugelassen) lag oder der Gegner uns so sehr unterschätzte, ist schwer zu sagen. Doch da ich eher an die motivierenden Worte glaube, hier die kurze Geschichte dazu.
Auch in dieses Spiel waren wir mit 23 Spielern gerade so spielfähig. Der Schiedsrichter, der den Passcheck durchführte, fragte dann auch etwas belustigt, "Mehr habt ihr nicht?". Ich entgegnete etwas verärgert: "Mehr brauchen wir nicht!". Im Huddle erzählte ich diese Situation den Spielern und zeigte auf die Worte eines altes Season Shirts, das ich an dem Tage trug: 'Attitude is everything'. Es geht nicht darum, wie viele wir sind, wie stark wir sind oder wie gut wir sind. Es geht um unsere Einstellung zum Spiel, zum Gegner, zum Team, zu uns selbst. Alles, was zählt, ist unsere Einstellung zu dem, was wir tun. 
Was soll ich sagen, an diesem Tag verpassten wir dem Gegner mit einem 13:10 seine einzige Niederlage und gewannen danach 3 der noch ausstehenden 4 Spiele. 'Attitude is everything' wurde zumindest für diese Phase das Motto des Teams und sorgte dafür, dass wir mit 6 Siegen und 6 Niederlagen in der Mitte der Tabelle die Talfahrt der Silver Arrows beendeten.

2025

Das Team hatte sich gefangen und ich sah aus vielen Gründen keinen Sinn mehr darin, weiter als Defense Coordinator bei den Arrows tätig zu sein. Von den Anfragen anderer Teams war keine für mich passend und so war ich 2025 nur als Zuschauer und gelegentlicher Gastcoach dabei. Ende des Jahres kam dann eine Anfrage des Lokalrivalen, den Stuttgart Scorpions, die nach einem DC für das Herrenteam suchten und nach ein paar Gesprächen trat ich im November den Job des Defense Coordinators für 2026 an.

2026

Der Anspruch meinerseits ist klar formuliert: Die Defense unter die besten 3 Defenses der Liga bringen. Ob mir das gelingt, werden wir in einem Jahr wissen ...

 

Für alle, die sich im American Football auskennen und alle, die das ganze mit Humor betrachten wollen, gibt’s hier eine kleine nicht ganz ernst zu nehmende Erklärung der wichtigsten Begriffe.
Das Lexikon wird natürlich stetig erweitert. Für Vorschläge was noch aufzunehmen wäre, bin ich jederzeit dankbar.

Der Sinn des Spiels

Das Ziel des Spieles ist es, neben möglichst vielen Gegnern unerträgliche Schmerzen zuzufügen, mit dem Ball in die gegnerische Endzone zu gelangen. Weil diese im ungünstigsten Fall satte 100 Yards entfernt ist, hat man dieses Ziel in kleine Häppchen unterteilt. Es reicht nämlich zunächst aus, mit dem Ball innerhalb von 4 Versuchen, so genannten Downs, mindestens 10 Yards vorwärtszukommen. Gelingt das, bekommt man 4 neue Versuche. Scheitert man kläglich, bekommt der Gegner den Ball. Die Abfolge aller Versuche bis zum Moment, an dem man den Ball wieder an den Gegner abgeben muss, wird als ein Drive bezeichnet.